Anvertrauen
Die spirituelle Praxis hinter Reiki
Anvertrauen
Die spirituelle Praxis hinter Reiki
Was ist die tiefere spirituelle Praxis hinter Reiki?
Wenn du mich fragen würdest, würde ich sagen: Anvertrauen. Oder auch: ‘To Surrender’, wie man im Englischen sagt. Dich der göttlichen Kraft anzuvertrauen – das ist für mich eines der tiefsten Learnings, das Reiki uns überhaupt schenken kann.
Denn bei Reiki geht es nicht nur darum, Energie fließen zu lassen. Es geht auch darum, mit der universellen Lebensenergie zu arbeiten – und zu vertrauen, dass diese Kraft immer weiß, was das Richtige ist: für dich selbst, für das Wesen, das du gerade behandelst, oder auch für eine Situation, in die du Reiki fließen lässt.
Es geht um Vertrauen und um das Sich-Anvertrauen an eine größere Kraft. Genau darum geht es in diesem Text. Ich möchte mit dir teilen, was das eigentlich bedeutet – und wie sich das ganz konkret zeigt: wenn du Reiki für dich selbst praktizierst, wenn du jemand anderen behandelst, wenn du selbst Reiki empfängst und wenn du Reiki in Situationen schickst.
Was bedeutet eigentlich ‘Anvertrauen’?
Im Englischen sagt man zu der Praxis des Anvertrauens: To Surrender. Übersetzt bedeutet das auch: aufgeben. Und das klingt erstmal krass. Doch im Grunde genommen ist es genau das, was man macht, wenn man Reiki praktiziert. Man gibt die Wünsche und Vorstellungen des Egos auf – und vertraut sich der Intelligenz, der Weisheit, der Weitsicht und der Schöpferkraft einer größeren Kraft an.
Reiki ist universelle Lebensenergie. Und man könnte auch sagen: Reiki ist das, was andere Kulturen vielleicht als Spirit oder das Göttliche bezeichnen würden. Reiki ist unser aller Essenz, die Kraft, die durch uns alle fließt. Und wenn wir Reiki praktizieren, dann öffnen wir uns für diese Kraft. Wir stellen uns ihr zur Verfügung und erlauben ihr, durch uns zu wirken.
Warum es anfangs so schwierig sein kann
Oftmals, wenn man sich dieser größeren Kraft hingibt und sich ihr anvertraut, kann das erstmal schwierig sein. Denn es bedeutet auch, Kontrolle abzugeben. Und wir Menschen versuchen ja doch oftmals gern, alles unter Kontrolle zu behalten, weil es uns Sicherheit gibt. Doch die Kontrolle abzugeben und uns dem Leben, dem Göttlichen anzuvertrauen, bringt uns meiner Erfahrung nach weitaus mehr Sicherheit, als unser Ego es jemals könnte.
Unser Ego versucht, unser Überleben zu sichern. Es ist oft eine Zusammenstellung aus Strategien und Geschichten über uns und das Leben, die wir von unserer Familie, unserer Kultur oder auch aus früheren seelischen Erfahrungen übernommen haben. Immer, wenn unser Ego mit etwas Neuem konfrontiert ist, bekommt es Angst, weil es sich und sein Überleben auf die Annahmen stützt, die es im Laufe des Lebens gelernt hat. Und insbesondere, wenn man Schwierigkeiten hat, anderen zu vertrauen, kann es am Anfang schwierig sein, sich auf Reiki einzulassen.
Denn Reiki lädt uns ein, etwas anderes zu üben: nicht alles zu kontrollieren, nicht alles wissen zu müssen, nicht alles mit dem Verstand zu lösen – sondern sich einer liebevollen, größeren Kraft anzuvertrauen.
Wie lernt man sich anzuvertrauen?
Wie kann man denn nun lernen, sich dieser liebevollen großen Kraft anzuvertrauen? Ich möchte dir das im Folgenden an verschiedenen Situationen zeigen.
Wenn du Reiki für dich selbst praktizierst
Wenn du selbst Reiki praktizierst, kennst du bestimmt das Gefühl des Loslassens, das sich während einer Behandlung einstellt. Du stimmst dich ein, um die Energie fließen zu lassen. Und dann passiert genau das: Die Energie fließt.
Anfangs spürst du vielleicht, dass sie aus deinen Händen fließt – und das kann sich schon wie ein Wunder anfühlen. Gerade, wenn man noch am Anfang der eigenen Reise ist und diese Fähigkeiten nicht schon als Kind gespürt hat, fühlt sich das wirklich wie ein Wunder an. Und ich muss sagen: Selbst nach über 10 Jahren Reiki-Erfahrung fühlt es sich für mich immer noch jedes Mal wie ein Wunder an. Du spürst, dass etwas passiert, wenn du dich als Kanal für diese liebevolle Kraft zur Verfügung stellst, wenn du dich für sie öffnest. Das ist meistens schon der erste Teil und das erste Wunder.
Dann spürst du vielleicht, dass Reiki an manchen Körperstellen mehr fließt als an anderen. Du kannst den Unterschied wahrnehmen, wie dich die Energie erfüllt. Vielleicht nimmst du noch andere Wesen von Licht und Liebe wahr, vielleicht siehst du Farben vor deinem inneren Auge, vielleicht hast du körperliche Empfindungen, oder du denkst plötzlich über etwas Bestimmtes nach. Du kannst in dem Moment nicht ahnen, wie Reiki für dich wirkt. Doch was wir lernen – in unserer Ausbildung und auch durch eigene Erfahrung – ist, dass die Reiki-Energie intelligent ist und immer weiß, wo sie am besten wirkt.
Am wichtigsten ist es eigentlich, die Energie geschehen zu lassen, sich ihr anzuvertrauen und sich ihrem Fluss einfach hinzugeben. Und genauso wichtig ist auch, dich dem hinzugeben, was du danach fühlst oder was als Bedürfnis in dir aufkommt. Denn die Behandlung besteht ja nicht nur aus der Energie, die du fließen lässt. Vor allem geht es darum, was diese Energie mit dir macht.
Es ist wirklich wichtig zu lernen, auf deine Bedürfnisse und Gefühle zu achten, um herauszufinden, was du jetzt wirklich brauchst und was dir wirklich gut tut. Und manchmal kann das auch etwas sein, was du normalerweise nicht mögen oder tun würdest – zum Beispiel ein bestimmtes Gemüse essen oder eine Aktivität, die du plötzlich ausprobieren möchtest. Auch hier geht es darum, sich selbst – und das Ego – zurückzunehmen und sich dem Fluss des Lebens anzuvertrauen. Denn das ist es, was Reiki eigentlich macht: Es stellt den Fluss des Lebens wieder in dir her.
Ein persönliches Beispiel
Hier ein persönliches Beispiel: Ich hatte Bauchschmerzen und habe mich selbst mit Reiki behandelt. Schon während der Sitzung sind ganz viele Emotionen in mir aufgekommen, und danach wollte ich einfach nur mit meinem Mann sprechen. Während unseres Gesprächs ist mir klar geworden, dass ich viele Ängste hatte, was unsere Beziehung angeht – und diese Ängste hatten sich als Bauchschmerzen manifestiert. Wir konnten meine Sorgen aufklären, und danach waren meine Bauchschmerzen auch weg. Und das ist nur ein Beispiel. Ich habe wirklich schon die verrücktesten Sachen erlebt.
Noch ein wichtiger Hinweis: Hiermit sage ich nicht, dass alle körperlichen Beschwerden einfach nur durch Reiki und emotionale Arbeit geklärt werden können. Es ist einfach ein Beispiel dafür, dass körperliche Symptome manchmal nicht direkt Krankheiten sind, sondern Ausdruck von Sorgen, Ängsten und Glaubenssätzen, die wir in uns tragen. Wenn man ärztliche Hilfe braucht, sollte man die sich immer nehmen.
Im Reiki geht man davon aus, dass wir Menschen nicht nur aus unserem physischen Körper bestehen, sondern auch einen emotionalen, mentalen und spirituellen Körper haben – die manche Menschen als Aura oder Energiefeld bezeichnen würden. Und das bedeutet auch, dass körperliche Beschwerden Ursachen oder Symptome auf emotionaler, mentaler oder spiritueller Ebene haben können.
Wenn du jemanden mit Reiki behandelst
Was passiert, wenn du jemanden mit Reiki behandelst? Dann gilt im Grunde das Gleiche wie vorhin. Du stellst dich als Kanal für die göttliche Kraft zur Verfügung und lässt Reiki für das andere Wesen fließen – egal, ob es ein Mensch oder ein Tier ist. Auch hier geht es wieder darum, loszulassen, die universelle Lebenskraft arbeiten zu lassen und sich ihr anzuvertrauen.
Die göttliche Intelligenz weiß eigentlich immer besser, was der andere Mensch oder das andere Tier braucht, um zu heilen. Sie hat einen viel besseren Überblick über das, was im Hintergrund geschieht – zum Beispiel auf spiritueller Ebene, darüber, welche seelischen Themen jemand mitgebracht hat oder welche tieferen Ursachen vielleicht hinter den Beschwerden liegen. Auch hier gilt es also, den Mut zu haben, loszulassen und sich dem Fluss des Lebens anzuvertrauen – und vielleicht auch einfach gespannt zu sein, was sich nun zeigt.
Jede Sitzung ist anders und individuell. Und selbst, wenn man jemanden schon öfter behandelt hat, ist jede Sitzung anders. Mindestens darauf kann man sich immer verlassen.
Wenn du Reiki empfängst
Was passiert, wenn du Reiki empfängst – also, wenn du eine Behandlung bekommst? Nun, im Grunde das Gleiche wie oben. Du vertraust dich dem Reiki-Heiler oder der Reiki-Heilerin an, und du weißt, dass durch diesen Menschen eine größere Kraft wirkt. Vielleicht machst du so eine Sitzung, weil es dich interessiert, vielleicht, weil du innerlich spürst, dass es dort Heilung für dich gibt, oder weil es etwas zu entdecken gibt, was für dich und deinen Lebensweg wichtig ist.
Du liegst entspannt da – und je mehr du deinen Verstand beruhigst und ins Fühlen kommst, desto mehr merkst du vielleicht, dass diese Energie etwas mit dir macht. Vielleicht spürst du körperliche Empfindungen wie Kribbeln, Hitze, Kälte oder ein Ziehen, vielleicht kommen in dir viele Emotionen hoch, vielleicht siehst du Farben und Bilder, oder vielleicht spürst du auch erst im Nachhinein, dass sich etwas in dir verändert hat.
Für jeden Menschen kann das sehr unterschiedlich sein. Und doch ist etwas für uns alle gleich, wenn wir Reiki geben oder empfangen: Wir geben uns dieser Kraft hin und vertrauen uns – und unser Wohl – dieser liebevollen Lebenskraft an.
Reiki wirkt immer zum höchsten Wohl aller Beteiligten
Reiki wirkt immer zum höchsten Wohl aller Beteiligten. Das ist in jedem Fall so und ein Grundaspekt der göttlichen Energie. Und auch das ist ein wichtiger Punkt, der mit Anvertrauen zu tun hat. Wenn du Reiki in Situationen schickst, dann ist die wichtigste innere Bewegung, nicht den Ausgang der Situation bestimmen zu wollen, sondern die Kraft so wirken zu lassen, dass sich alles zum höchsten Wohl aller Beteiligten entwickelt und entfaltet.
Ich hatte zum Beispiel mal eine Situation mit meinem Mann und einer Freundin von uns. Irgendwie ist es komisch zwischen uns geworden – wir haben uns einfach nicht mehr so gut verstanden, und auch Gespräche haben nicht viel gebracht. Ich habe dann Reiki für uns und unsere Situation fließen lassen, also Energiearbeit für diese Situation gemacht. Und die innere Bewegung, durch die ich in diesem Moment gehen musste, war: einen bestimmten Ausgang, den ich mir gewünscht hatte, loszulassen und offen zu lassen, was wirklich unser aller höchstem Wohl dient.
Ich habe mir wirklich sehr gewünscht, dass wir uns alle wieder verstehen und uns einfach weiter sehen und miteinander Zeit verbringen können. In dem Moment war es aber wichtig, mich der größeren universellen Lebensenergie hinzugeben, sie im Energiefeld unserer Situation wirken zu lassen und offen dafür zu sein, welcher Ausgang wirklich gut und richtig für uns alle ist – egal, ob wir keinen Kontakt mehr miteinander haben würden oder doch. Und so etwas kann manchmal extrem schwierig sein. Besonders, wenn man sich etwas sehnlichst wünscht und es dann aber im großen Plan des Lebens vielleicht nicht so gedacht ist oder nicht wirklich stimmig ist für alle Beteiligten.
Reiki hilft uns, dem Fluss des Lebens zu vertrauen
Reiki kann auf so viele Weisen helfen, sich anzuvertrauen und mehr im Fluss des Lebens zu sein. Es hilft, die eigene Wahrheit zu erkennen und das, was für alle gut und richtig ist, anzunehmen. Und Reiki ist mit Sicherheit kein einfacher Weg, es ist keine einfache Praxis. Doch das Vertrauen und die Hingabe lohnen sich immer. Denn man kommt auf diesem Weg immer mehr in Berührung mit dem, wer man wirklich ist, wer der andere wirklich ist und was wirklich liebevoll und stimmig für alle Beteiligten ist.
Und vielleicht ist genau das die tiefere spirituelle Praxis hinter Reiki: nicht alles kontrollieren zu müssen, nicht alles mit dem Verstand entscheiden zu wollen, sondern sich dem Fluss des Lebens anzuvertrauen – der göttlichen Kraft, der universellen Lebensenergie, dem, was durch Reiki wirken möchte.
Denn Reiki erinnert uns immer wieder daran: Du darfst dich anvertrauen. Dem Leben. Der Liebe. Und der Kraft, die durch uns alle fließt.